THE INTERVIEW IN|DEEDS: Guillaume Sebag

Guillaume Sebag (*1975 in Paris), absolvierte die Ecole National Supérieur des Beaux-Arts in Paris in der Malereiabteilung Vladimir Velickovic Workshop. Seine Diplomarbeit schrieb er mit Didier Semin. Seine Werke zeigte er in Einzelausstellungen in Paris und Brüssel.

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Portrait Guillaume Sebag

Zwei Sätze zu Deiner Vita.
Ich möchte einen Satz von Beckett zitieren: Zeit und Leid und selbst das sogenannte » (Samuel Beckett: Immer noch nicht mehr. Deutsch von Erika Tophoven

Worüber machst du zurzeit am meisten Gedanken; was beschäftigt Dich?
Der Wunsch, in einer Welt zu sein, die ich als die einfache Geste des Schälens einer Mandarine verstehen würde. Doch alles steht im Widerspruch zu diesem Wunsch. So kann ich beispielsweise keinen Zusammenhang zwischen der Art Dogma von gesunden Lebensmitteln, von dem alle Medien bombardiert werden und dem Massaker an einem Dorf in Mali herstellen. Dieses Missverhältnis zwischen den Medienereignissen überwältigt mich und bringt mich aus dem Gleichgewicht. Meine Bilder sind auch dieses Ungleichgewicht.

Wie bist Du zur Kunst gekommen? Warum Kunst?
Ich weiß nicht, ob ich zur Kunst gekommen bin. Es war kein bewusster Prozess. Ein Gemälde ist ein gemalter Gedanke. Die Kunst, die ich liebe, macht mich durstig. Sie ist körperlich, sie ist ein Organ. Ich brauche es aus Notwendigkeit, wie man eine Leber zum Leben braucht.
Raphaël Lévy schrieb einmal über meine Arbeit:
«Guillaume Sebag legt seine Farben mit den Fingern übereinander, während er laut spricht, was ihn zwingt, beim Malen allein zu sein. Er diskutiert auf einer begrenzten Fläche, die seine Leinwand ist. Seine Malerei ist wie ein Gewirr von Gedanken vor dem Wort.  Er flicht Eindrücke, Intuitionen, isolierte Worte und verschiedene Empfindungen, oft non verbal. Sein Malen verbindet die multiple und absolut unfassbare Welt in seiner Gesamtheit, die uns umgibt. Denn wo ist der Zusammenhang zwischen dem zu seinen Füßen liegenden Hund, einer Familie, die im Krieg aus ihrem Land flieht, und einem Skifahrer? Eine Frage unter vielen, die das Werk von Guillaume Sebag stellen würde.»

Was macht Dich aktuell glücklich? Was macht Dir aktuell Angst?
Die kommende Ausstellung. Die kommende Ausstellung

Was macht Deine Kunst aus? Kannst Du die Intention Deiner Kunst mit uns teilen?
Meine Bilder vereinen oft widersprüchliche Momente – Bilder, die ich arrangiere so dass sie zu einem Block werden können. Ich versuche, die Verbindung zwischen dem, das keine zu haben scheint, herzustellen.

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Guillaume Sebag, no more hot dog, 2010, 148 x 105.5 cm

Wie schützt Du Dich in der heutigen Zeit vor zu viel Inspiration, Eindrücken, Botschaften (vor dem Verlust des Fokus)?
Ich kann mich nicht schützen. Ich stehe nicht vor der Welt, ich bin in der Welt. Um sich selbst zu schützen, müsste man außerhalb der Welt sein, d.h. tot.

Wie beurteilst Du die aktuelle Entwicklung des Kunstmarktes?
Die Arbeit einer Galerie ist nicht einfach und ich respektiere sie. Die Galerie vermittelt die Werke von Künstlern an Sammler und das ist nicht immer einfach. Der Verkauf ermöglicht es ihnen, zu überleben und damit ihre Arbeit als “Kulturvermittler” fortzusetzen. Ich denke, dass sich ein Sammler (Kunstkenner) eine Meinung bilden kann, ohne sich auf den Kunstmarkt verlassen zu müssen. 
Ansonsten geht es darum, dass Unternehmer auf eine Ware setzen, um ihren Wert zu steigern.

Unterstützt die französische Regierung Galerien und Künstler in Frankreich, und wenn ja, wie?
Ich weiss nicht

Du warst eine Weile nicht als Künstler im Rampenlicht. Warum hast Du Dich für diese Pause entschieden und wie ist das aktuelle Projekt zustande gekommen? Bitte füge zwei zusätzliche Sätze über dieses neue Projekt hinzu.
Vielleicht dachte ich naiv, dass meine künstlerischen Interessen ausreichen würden. Ich dachte, mein Job wäre es zu malen. Ich wusste nicht, dass ein Künstler sich wie ein Unternehmen verhalten sollte, das seine Produkte bewirbt. Ich konnte da nicht tun. Also zog ich mich zurück. Robert Filliou hat geschrieben: Kunst macht das Leben interessanter als Kunst.
Raphaël Lévy schlug mir vor, eine persönliche Ausstellung zu organisieren. Es wurden neun Gemälde (von 15) ausgewählt, die etwa 5 Jahre Arbeit repräsentieren. Er schlug mir auch vor, eine limitierte Auflage von 22 Plexiglasboxen herzustellen, die jeweils eine Originalzeichnung enthalten. Die Idee kam ihm Ende Februar. Er sagte mir, dass er bis spätestens Ende März 22 Zeichnungen benötigen würde. Ich ging zur Arbeit. Es war sehr motivierend. Am 2. April lieferte ich 30 Zeichnungen an die Galerie. Wir haben 22 von ihnen behalten. Die Boxen sind fertig. Wir sind ziemlich stolz darauf.

Und können Sie uns sagen, wie sich die französische Kunstszene von der deutschen unterscheidet? 
nein.

Was sind Deine (nächsten) Ziele?
Meine Hände ziellos “durch” meine Leinwände wandern zu lassen. Das Missverständnis anderer hinter mir zu lassen.

Wenn Du kein Künstler geworden wärst, was wäre dann stattdessen aus Dir geworden?
Ich betrachte mich nicht als Künstler. Ich habe fas t immer gemalt. Mein Malerei ist zu sehen, und es ist derjenige, der sie betrachtet, der beurteilen kann, ob es sich um einen Künstler handelt oder nicht, der dieses Bild gemalt hat

Wie viel in Deinen Arbeiten ist vorher geplant – wie viel entsteht intuitiv?
Siehe Antwort Nr. 5

Worum geht es in Deinen Werken?
Siehe Antwort Nr. 5

Stammen Deine Inspirationen immer aus eigenen Erlebnissen?
Siehe Antwort Nr. 5

Welche Rolle spielt Humor in Deinen Arbeiten?
Die Titel von Werken, die völlig daneben sind.

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Guillaume Sebag, œdipe roi sur le tarmac, 2014 – 2015, 219 x 140 cm

Glaubst Du, dass Kunst eine gesellschaftliche Verantwortung trägt? Und was glaubst Du, was sie bewirken kann?
Mit einem Kunstwerk zu leben, Museen oder Galerien zu besuchen, ist ein Ansatz, der zur Freiheit neigt.
Und Freiheit ist die Essenz einer Gesellschaft.

Was hältst Du von politischer Kunst?
Alles ist politisch, nicht wahr?

Ist im Zeitalter des Internets der Dinge eine Galerie (aus Deiner Sicht) noch notwendig? Wenn ja, wofür?
Nun, ein Kunstwerk auf einem Bildschirm zu betrachten und es in einer Galerie zu sehen, ist so unterschiedlich wie eine Lawine auf einem Bildschirm zu betrachten und in der Lawine zu sein.

Hat sich Deine Kunst über die Jahre verändert – und wenn ja wie und warum?
Ich verbessere das, was ich immer getan habe.

Interessiert Dich, was Sammler mit Deinen Arbeiten anstellen?
Ja, sehr. Denn wenn ein Bild fertig ist, gehört es nicht mehr mir. Ich kann es nicht bewundern.
Ich brauche die Augen anderer.
Ich habe einmal das gelesen: “Der Baum schmeckt seine Früchte nicht” (Autor ist anonym). So ist es auch bei meiner eigenen Arbeit. Die Früchte schmecken andere.

Was sind aus Deiner Sicht Attribute für gute Kunst?
Die Notwendigkeit, Kunst zu schaffen

Wird man als Künstler geboren? Oder ist ein Kunststudium Pflicht?
Beides für mich

Hat Berlin Einfluss auf Deine Kunst? Wenn ja, welchen?
Ich werde dir nach der Ausstellung antworten. Ich war bis zu diesem Projekt noch nie in Berlin.

Wo kann man in Berlin am besten 1.) frühstücken, 2.) trinken, 3.) Feste feiern?
Sag es mir und ich werde dir antworten.

Guillaume Sebag | Gebrüllte Ausstellung

WANN? 26. April bis 24. Mai 2019 | Vernissage: 26. April 2019, ab 19:00 Uhr

WO? Galerie aKonzept, Schröderstraße 7, 10115 Berlin-Mitte, Mi-Fr 15-18 Uhr, Sa 14-19 Uhr

Zur Ausstellung


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