THE INTERVIEW IN|DEEDS: Otto Zitko

Prolog

Herr Zitko, stellen wir uns vor, die aktuelle Lage würde nicht die Möglichkeiten bestimmen und wir würden uns persönlich treffen. Wo sprächen wir dann zusammen? In einem meiner Ateliers. Wir befinden uns in der Halle einer ehemaligen Druckerei am ländlich-industriell geprägten Stadtrand von Wien. Vielleicht sitzen wir an Ihrem Lieblingsplatz. Es ist an diesem Ort alles sehr nüchtern funktionell, also gibt es auch einen Schreibtisch mit Laptop, an dem ich sitze und Ihre Fragen beantworte. Woher kommen Sie, wo sind Sie wann geboren? Ich wurde 1959 in Linz geboren. Wo leben und arbeiten Sie derzeit? In Wien. Welche Stationen und Menschen haben Sie geprägt? Immer wieder andere, eher Orte, die ich im Zuge der vielen Raumarbeiten, die ich realisiert habe, teils auch längerfristig besucht habe, zum Beispiel New Delhi, New York, Krakau, St. Petersburg etc. Wobei ich nicht von einer Prägung sprechen würde, sondern von Erkenntnisgewinn. Welche Schriftsteller*innen und Bücher finden sich in Ihrem Bücherregal? Welche Bücher haben Sie beeinflusst oder geprägt und was lesen Sie aktuell? Meine Bibliothek besteht vor allem aus Kunst- und KünstlerInnenbüchern, Katalogen und antiquarischen Büchern. Ich schätze hochwertig und sehr gut gemachte Bücher, die ich gerne durchblättere und anschaue. Aktuell mag ich sehr gerne die Monografie von Jannis Kounellis, herausgegeben von der Prada Foundation 2018, ebenso wie das Heft AUDIENCE von Manfred Grübl. Ansonsten bin ich ein fragmentarischer Leser, mal etwas Historisches, mal etwas über Psychologie oder zustandsgebundene Kunst. Welche Musik hören Sie und wann? Ich höre Musik sehr oft beim Arbeiten. Ich mag Musik fast aller Genres, gut muss sie sein. Das kann z.B. Glenn Branca, Barockmusik, interpretiert von Cecilia Bartoli, John Coltrane, Bilderbuch oder mongolische Obertonmusik sein. Ein Faible habe ich für gute Frauenstimmen, diesbezüglich sammle ich Tonträger. Wenn Sie etwas für uns kochen würden, was wäre es? Ich würde Sie in ein gutes Wiener Gasthaus einladen, für Gäste ziehe ich die Küche von Profis vor. Was essen Sie am liebsten? Ich esse gerne einfach, wenn ich für mich selbst etwas zubereite. Ich schätze aber auch hohe wie bodenständige Kochkunst, egal aus welcher Region. Was halten Sie vom Frühstücken?Ein Tag ohne Frühstück – zumindest Kaffee und eine Schale Kefir mit Obst – ist für mich undenkbar. Welchen Sport oder Ausgleich betreiben Sie? Tai Chi und Qi Gong. Ansonsten no sports! Haben Sie besondere Leidenschaften, für die Sie brennen? Ich sammle formschöne Dinge. Haben Sie ein Anliegen, das Sie mit uns teilen möchten oder ein Persönlichkeitsmerkmal, das Sie ausmacht besondere Gedanken, einen Fetisch, typische Eigenarten? Nein.

DEEDS WORLD - Portrait Otto Zitko 2020 - Foto Markus Woergoetter

Porträt Otto Zitko 2020 Foto: Markus Wörgötter

Interview

Zu Beginn erzählen Sie uns bitte in ein paar Sätzen Ihre künstlerische Vita.

Ich habe an der Hochschule (heute Universität) für angewandte Kunst in Wien studiert und bin seit den frühen 1980er-Jahren als freischaffender Künstler tätig, wobei ich von Anfang an mit professionellen Galerien zusammengearbeitet habe.

Zwei Sätze zu Ihrem aktuellen Projekt bzw. der kommenden Ausstellung zum Gallery Weekend.

Die Ausstellung „In Times Like These“ ist meine erste Einzelausstellung in der Galerie Crone, die mich seit bald zwei Jahren vertritt. Gezeigt werden neue Bilder, die sowohl inhaltlich als auch formal miteinander korrespondieren. Da ich wegen Corona nicht zur Eröffnung kommen kann, habe ich sozusagen stellvertretend für “der Künstler ist anwesend” ein frühes Selbstporträt in die Ausstellung integriert.

Worüber machen Sie sich zurzeit am meisten Gedanken; was beschäftigt Sie?

In Zeiten wie diesen: Liebe und Schmerz, Leben und Tod, Himmel und Hölle, Gott und die Welt.

DEEDS WORLD - Otto Zitko 2013 - Foto Rainer Iglar

Otto Zitko Galerie der Stadt Wels 2013 Foto: Rainer Iglar

Wie sind Sie zur Kunst gekommen? Warum Kunst?

Schon im Alter von 15 Jahren stand für mich fest, Künstler zu werden. Ich bin seit jeher gerne in Museen gegangen, habe mir Ausstellungen angeschaut. Geprägt vielleicht durch meinen Großvater, der Hobbymaler war und Holzfiguren geschnitzt hat.

Was macht Sie aktuell glücklich? Was macht Ihnen aktuell Angst?

Glücklich recht wenig, Angst kann man vor der globalen Situation haben.

Glauben Sie, dass Kunst eine gesellschaftliche Verantwortung trägt? Und was denken Sie, was sie bewirken kann?

Ja, sie trägt gesellschaftliche Verantwortung, bewirken kann sie wenig.

Was macht Ihre Kunst aus? Worum geht es in Ihren Werken – was sind die zentralen Themen?

Es sind existentielle Fragen, die eine Rolle spielen und für die ich die entsprechenden formalen Lösungen erarbeite.

Wie schützen Sie sich in der heutigen Zeit vor zu viel Inspiration?

Wo gibt es ein Zuviel an Inspiration?

Wie viel in Ihren Arbeiten ist vorher geplant – wie viel entsteht intuitiv?

Sowohl als auch, beides ist gleichermaßen wichtig.

DEEDS WORLD - Otto Zitko - Foto Lisa Rastl -c- mumok Wien

Porträt Otto Zitko 2011 Foto: Lisa Rastl © mumok – Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien

Was soll Ihre Kunst beim Betrachter bewirken?

Betroffenheit.

Was sind Ihre (nächsten) Ziele?

Über ungelegte Eier spricht man nicht.

Wie stehen Sie zum Thema Glauben? Haben Sie Glaubensgrundsätze oder gibt es einen Leitspruch?

Ich bin Atheist und Skeptiker.

DEEDS WORLD - Otto Zitko 2009 - Foto Thomas Bruns

Die Kunst ist super! Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart, Berlin 2009 Foto: Thomas Bruns

Welches Projekt würden Sie gerne noch realisieren, wenn fehlende Zeit, mangelnder Mut oder finanzielle Ressourcen keine Rolle spielen würden?

Flug zum Mond.

Was sind aus Ihrer Sicht Attribute für gute Kunst?

Dieses Thema ist zu komplex und lässt sich in diesem Rahmen nicht beantworten.

Wird man als Künstler*in geboren? Oder ist ein Kunststudium aus Ihrer Sicht Pflicht?

Sowohl als auch, hängt von der jeweiligen Person ab.

Wem zeigen Sie ein neues Werk zuerst?

Meinem hochqualifizierten und kritischen Team.

DEEDS WORLD- Otto Zitko - Foto Atelier Zitko

Studio Otto Zitko 2019 Foto: Atelier Zitko

Wie sieht die erste Stunde Ihres Tages aus?

Ich frühstücke.

Sind im Zeitalter des Internets der Dinge Galerien (aus Ihrer Sicht) noch notwendig? Wenn ja, warum und wofür?

Ja. Erstens arbeiten Galerien ohnedies mit dem Internet und zweitens sind persönlicher Austausch und Betreuung von KundInnen und PartnerInnen (KünstlerInnen) sehr wichtig .

Social-Media – aus Ihrer Sicht Segen oder Fluch?

Beides.

Epilog

Die Ausstellung In Times Like These mit neuen Werken von Otto Zitko ist vom 8. September bis 10. Oktober 2020 bei CRONE BERLIN, Fasanenstraße 29, 10719 Berlin-Charlottenburg zu sehen. Die Galerie nimmt am Gallery Weekend 2020 teil.

Instagram: @ottozitko

www.facebook.com/otto.zitko

www.ottozitko.com


In Zeiten von Corona, in denen Reisen, Atelierbesuche und persönliche Kontakte unangebracht oder sogar unmöglich sind, bleibt das schriftliche Interview ein wichtiges Medium, um Künstlerpersönlichkeiten vorzustellen, um ihre Botschaften zu verbreiten und um mit Kunstliebhabern in Kontakt zu bleiben.

This post is also available in: Deutsch

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