THE INTERVIEW IN|DEEDS: Ernst Leonhardt in 360°

Ernst Leonhardt, geboren 1935 in Berlin, ist Bildhauer, Maler und Grafiker. Er absolvierte ein Studium an der Meisterschule für Kunsthandwerk in Berlin-Charlottenburg. Von 1955 bis 1958 war Ernst Leonhardt als Bühnenmaler bei der UFA in Berlin-Tempelhof tätig. Seit 1958 arbeitet er als freischaffender Künstler. 1973 erhielt er einen Lehrauftrag an der Hochschule für Bildende Künste Berlin, den er bis 1975 inne hatte. Im Jahr darauf nahm er einen Lehrauftrag an der Pädagogischen Hochschule Berlin an. Ab 1981 fungierte Ernst Leonhardt als Vorsitzender der Freie Berliner Kunstausstellung (bis 1990). 1984 war er Gastprofessor an der Hochschule der Künste Berlin. Für die Zeitung B.Z. übernahm der Künstler 1991 die Gestaltung des B.Z.-Kulturpreises: Die Bronzeskulptur „Der Tänzer“ stellt einen tanzenden Berliner Bären dar und wird jährlich den Preisträgern des B.Z.-Kulturpreises überreicht. 1997 wurde Ernst Leonhardt mit dem ARAG-Kunstpreis ausgezeichnet. Er lebt und arbeitet in Berlin und wird vertreten durch die axmann kunstgalerie in Berlin-Charlottenburg.



Studiovisit Ernst Leonhardt © 360° Panorama by ART@Berlin

Zwei Sätze zu Ihrer Vita.

Das ist ja überall nachzulesen.

Ihr künstlerisches Leben hat sich im Schwerpunkt in Berlin abgespielt und tut dieses noch heute. War das eine bewusste Entscheidung? Bereuen Sie diese?

Das ich in B. lebe und arbeite liegt an vielen Umständen, die ich nicht weiter erläutern möchte, sie haben sich einfach so ergeben.

Wie sind Sie zur Kunst gekommen (vor dem Studium)? Warum Kunst?

Zur Kunst kann man nicht kommen. Ich kann nur malen und bildhauerisch mich betätigen, vielleicht erreicht meine Arbeit einmal künstlerische Qualität.

Sie haben Berlin in den vergangenen 85 Jahren hautnah erlebt. Welchen Einfluss hatte und hat die Stadt – und das tägliche Leben in ihr – auf Ihre Kunstwerke?

Ich habe lange in B. gemalt und Berliner Typen modelliert. Später kamen Landschaften dazu. Das was von B. nach dem Krieg noch übrig war, wurde eigentlich abgerissen und durch sogenannte “Moderne” Häuser ersetzt, die für mich ohne Ausstrahlung sind, sodass ich mich der Landschaftsmalerei zuwendete.

Worüber machen Sie sich zurzeit im Hinblick auf unsere Gesellschaft am meisten Gedanken; was beschäftigt Sie?

Die Zeit an sich ist sehr beunruhigend und es ist zusehen, wie das Alte überwunden Geglaubte leider wieder an Kraft gewinnt, es ist unglaublich.

Was macht Sie aktuell glücklich? Was macht Ihnen aktuell Angst?

Auf Wikipedia steht sinngemäß: Ihre Gemälde stehen in gewissem Gegensatz zu Ihren Skulpturen. Die Skulpturen faszinieren durch die runden Formen und oft üppigen Körper. In den Gemälden stehen die Fläche und – zusammen mit der Farbigkeit – eine gewisse Kantigkeit im Vordergrund. Stimmen Sie dem für Ihr Gesamtwerk uneingeschränkt zu – und warum haben Sie sich für diese Art der Ausdrucksform entschieden?

Auf Wikipedia kann doch jeder einen Eintrag leisten. Ob er richtig ist, oder nicht, es ist doch nicht prüfbar.

Sie arbeiten auch mit Mitte 80 noch fast täglich im Atelier, und dieses befindet sich nicht in der Nähe ihrer privaten Wohnung. Da Sie augenscheinlich nicht vorhaben, demnächst in Rente zu gehen: Was ist Ihr nächstes großes Ziel?

Ein Künstler ist mit dem, was er erreicht hat nie zufrieden. Die nächste Arbeit Bild oder Skulptur wird immer die Wichtigste und Schönste sein, somit ringe ich um jede neue Arbeit.

Wie beurteilen Sie als Zeitzeuge die Entwicklung des Kunstmarktes der letzten 60 Jahre – und die aktuelle Situation? Was vermissen Sie, was früher anders/besser war? Was ist heute besser als früher?

Der Kunstmarkt hat eigentlich nicht viel mit Kunst zu tun. Es ist eher ein Kapitalmarkt.

Haben Sie einen Überblick, wie viele Werke Sie in Ihrem Künstlerleben bisher erschaffen haben?

Nein habe ich nicht.

Wem zeigen Sie als erstes ein neues Werk?

Meiner Frau.

Würden Sie sich rückblickend wieder für den Beruf des Künstlers entscheiden? Und was raten Sie jungen Künstlern?

Ja, ich würde mich wieder für dieses Leben entscheiden, es ist sehr interessant, manchmal auch aufreiben. Junge Künstler, wenn sie den Mut haben und sich kräftig genug fühlen sollen sie es wagen.

Was war/ist für Sie die größte Herausforderung als Künstler?

Das Leben an sich ist die größte Herausforderung.

Wie sieht die erste Stunde Ihres Tages aus?

Ich bereite das Frühstück für meine Frau und mich vor.

Was lieben Sie an Berlin besonders – und auf was könnten Sie in Berlin getrost verzichten?

Die Vielfalt, die Seen, die Bäume und die letzten echten Berliner.

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Bei Fragen zu den Werken von Ernst Leonhardt wenden Sie sich bitte an die kunstgalerie axmann, Kaiserdamm 118, 14057 Berlin-Charlottenburg, Tel +49 30 8527065, info@galerie-axmann.de .

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THE INTERVIEW IN|DEEDS ist ein konzeptuelles, mediales Kunstwerk, das Regeln folgt: Ein Interview umfasst eine bestimmte Menge an Fragen, in diesem Fall 15 Stück. Sie werden ohne Zeitdruck und ohne Längenvorgabe schriftlich beantwortet. Der Interviewte hat die Freiheit, ihm wichtige Fragen zu ergänzen (hier nicht geschehen) oder auch Fragen unbeantwortet zu lassen (hier geschehen). Am eingereichten Interview nehmen wir inhaltlich keine Änderungen oder redaktionellen Korrekturen vor. Der Interviewte wird somit unverfälscht und im O-Ton wiedergegeben.

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