ZWEI JAHRE LAB.BODE: Erfolgreiche Zwischenbilanz und Ausblick

Die Kulturstiftung des Bundes und die Staatlichen Museen zu Berlin setzen mit „lab.Bode–Initiative zur Stärkung der Vermittlungsarbeit in Museen“ ein wichtiges Signal für den Ausbau einer modernen und vernetzten Vermittlungsarbeit an Museen.

Seit dem Sommer 2016 ist das Bode-Museum ein Labor für die Erforschung und Erprobung von zukunftsorientierten Bildungskonzepten und deren Integration in die museale Arbeit. Mit dem Vermittlungslabor, dem Schulprogramm und einem bundesweiten Volontärsprogramman insgesamt 23 Museen soll gezeigt werden, was Vermittlungsarbeit an Museen bewirken kann. Im Dezember 2018 startet die zweite Gruppe von 12 Partnermuseen die aktive Zusammenarbeit mit lab.Bode. Bis 2020 stellt die Initiative erfolgreich erprobte Methoden und Ergebnisse Museen bundesweit als digitalen Baukasten zur Verfügung und alle Berliner Schulen sind eingeladen, die neu entwickelten Projekttage als buchbares Angebot kosten frei zu nutzen. Begleitet wird das lab.Bode von einem deutschlandweit einzigartigen Diskursprogramm mit internationalen Expert_innen.

23 Partnermuseen aus ganz Deutschland, 9 Berliner Partnerschulen und zahlreiche Expert_innen haben sich im Vermittlungslabor lab.Bode im Bode-Museum seit 2016 erfolgreich in 28 Schulprojekten, 15 Diskursveranstaltungen und drei Mini-Residencies sowie der Entwicklung eines umfangreichen Fortbildungsprogramms engagiert. Schüler_innen verschiedener Altersklassen und unterschiedlichster Herkunft haben sich im Bode-Museum mit den Kunstwerken der Sammlung, von Riemenschneider bis Canova, beschäftigt. Volontär_innen haben im Bode-Museum hospitiert und eigene Projekte an ihren Häusern umgesetzt. Die positiven Einflüsse von lab.Bode sind nicht nur im Bode-Museum zu spüren, sondern auch bei den Partnermuseen, die neue Impulse in ihrer Vermittlungsarbeit setzen. Das öffentliche Diskursprogramm erfreut sich hoher Besucherzahlen und die Beliebtheit der Projekttage bei Berliner Schulen zeugen ebenfalls von der erfolgreichen Umsetzung des Schulprogramms.

Teilnehmende Museen
• Kunsthalle Bremen • Kunsthalle Mannheim • Kunstmuseum Stuttgart • Städtische Galerie im Lenbachhaus, München • Lindenau-Museum Altenburg • Museum für Gegenwartskunst Siegen • Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern • Neues Museum – Staatliches Museum für Kunst und Design in Nürnberg • Staatliche Kunstsammlungen Dresden • Städtisches Museum Abteiberg, Mönchengladbach • Museum Ulm • Focke Museum, Bremer Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte • GfZK – Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig • Historisches Museum Frankfurt• Jüdisches Museum Frankfurt • Kunstmuseum Villa Zanders, Bergisch Gladbach • MEWO Kunsthalle, Memmingen • Klostermuseum Unser Lieben Frauen Magdeburg • Berlinische Galerie • Brücke-Museum, Berlin • Museum Folkwang, Essen • Landesmuseum Württemberg, Stuttgart • Museum Ludwig, Köln

Teilnehmende Berliner Schulen
(2 Grundschulen, 2 Gemeinschaftsschulen, 2 integrierte Sekundarschulen, 3 Gymnasien) • Sophie-Brahe-Schule, Treptow-Köpenick • B. Traven Gemeinschaftsschule, Spandau • Athene-Grundschule, Steglitz-Zehlendorf • Grunewald-Grundschule, Charlottenburg-Wilmersdorf • Herder-Gymnasium, Charlottenburg-Wilmersdorf • Barnim-Gymnasium Berlin, Lichtenberg • Thomas-Mann-Gymnasium, Reinickendor f• Gustav-Langenscheidt-Schule, Tempelhof-Schöneberg • Schule am Rathaus, Lichtenberg

Das Volontärsprogramm 
Lab.Bode fördert bundesweit an 23 Partnermuseen wissenschaftliche Volontariate im Bereich Bildung und Vermittlung. Alle Volontär_innen nehmen an einem Fortbildungsprogramm teil,begleiten Schulprojekte im Bode-Museum und entwickeln eigene Formate an ihren Museen. Wie beispielsweise das Schulprojekt: WELCHE_R HELD_IN STECKT IN DIR?“, das eine Bremer Volontärin dieses Jahr basierend auf dem im lab.Bode durchgeführten Projekt „GARDE DER SUPERHELD_INNEN“ entwickelt hat und in die Vermittlungsarbeit ihres Museums, der Kunsthalle Bremen, einbringt. Aufgrund der positiven Resonanz wird angestrebt, das Fortbildungsprogramm über die Programmlaufzeit hinaus als Angebot für Museen in ganz Deutschland zu etablieren.

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lab.Bode – Initiative zur Stärkung der Vermittlungsarbeit in Museen. Foto Juliane Eirich, 2018

Das Schulprogramm 
Neun Berliner Partnerschulen arbeiten seit 2016 mit dem Bode-Museum zusammen und realisieren je ein bis zwei umfangreiche Kooperationsprojekte pro Schuljahr. Im Schuljahr 2017/2018 besuchten insgesamt 406 Schüler_innen an 99 Workshoptagen das Museum. Schüler_innen und Lehrer_innen forschen, indem sie den Skulpturen der Museumssammlung eigene Werke zur Seite stellen oder beispielsweise die Schuhgröße des Reiterstandbildes des Kurfürsten in der großen Eingangshalle messen. So funktioniert die Arbeit mit den Partnerschulen: gemeinsam werden Fragen, die sowohl die Sammlungen des Museums, die Institution sowie auch gesellschafts(politische) Themen betreffen, gesammelt und dazu Formate entwickelt und erprobt. Transmediale Fragestellungen greifen auch den Fächerkanon der Schulen auf: Kann man mit Mathematik im Museum arbeiten? Wo steckt die Chemie in den Objekten? Dabei entstanden bisher Trick- und Kurzfilme, Raps, Performances, performative Führungen sowie Skulpturen,Installationen und Ausstellungen, die zum Teil über einen längeren Zeitraum im Sammlungsrundgang des Museums gezeigt wurden. Im lab.Bode entstandene Projekttage können seit Mai 2018 kostenfrei von allen Berliner Schulen gebucht werden. Das Angebot „Let´s Talk about Sex“ wird beispielsweise als Ergänzung zum Sexualunterricht angeboten. Der Projekttag beschäftigt sich mit Gender und vielfältigen geschlechtlichen Lebensweisen in der Kunst.

Das Diskursprogramm
Ein weiteres Ziel der Initiative ist es, den fachlichen Austausch über neue Forschungsergebnisse und praktische Arbeitsansätze grenzübergreifend anzustoßen. Museumsdirektor_innen,Vermittler_innen sowie Schulvertreter_innen, Künstler_innen und Studierende sind jeden Monat zu öffentlichen Veranstaltungen mit internationalen Rednern eingeladen, die aktuelle Themen aus der musealen Vermittlungsarbeit aufgreifen. Auf die ersten vier Veranstaltungsreihen zu den Oberthemen „Räume“, „Partizipation“, „Dissens“ und „Visionen“ folgt im Frühjahr 2019 eine Reihe zum Thema „Dialog“, die drei öffentliche Vorträge und einen Workshop beinhaltet. So wird ein berufliches Netzwerk geknüpft und die Vermittlungsarbeit bundesweit gestärkt.

Der Ort
Das Bode-Museum ist aufgrund seiner kunsthistorisch bedeutsamen Sammlung ein international renommierter Ort, gerade einem jüngeren Publikum jedoch wenig vertraut. Daher geht es hier um die Frage, wie museale Schätze insbesondere jungen Menschen besser zugänglich gemacht werden können. Künstler_innen und Vermittler_innen verknüpfen ausgehend von der Sammlung die unterschiedlichen Kunstformen des Museums mit aktuellen gesellschaftlichen Themen. Durch die vom Berliner Architekturkollektiv raumlabor neu gestalteten Vermittlungsräume erhält die museale Vermittlung eine sichtbare Relevanz inmitten des Sammlungsrundgangs: Besucher_innen erhalten Einblicke in die Arbeit der Initiative; Kinder und Jugendliche erhalten eine Stimme im Museum, indem ihre Werke, Fragestellungen und Projektergebnisse im Sammlungskontext gezeigt werden.

Lab.Bode macht für alle offensichtlich, dass das Museum eine öffentliche Einrichtung mit einer gesellschaftlichen Relevanz ist. Ganz gleich, ob Schüler_innen sich in einer choreografischen Performance in die Statuen des Bode-Museums verwandeln, ob sie das Verhältnis von Licht und Schatten auf Skulpturen fotografisch untersuchen und ihre Arbeiten in den Räumen von lab.Bode ausstellen, oder ob sie die Kunstwerke zum Ausgangspunkt neuer Erzählungen machen: Sie erlauben eine neue Sicht auf das Museum und seine Sammlungen, und diese Sicht ist nicht die der Institution, sondern die eines Teils ihres Publikums. Mein Wunsch ist, dass mit jedem Tag die jüngeren Generationen in Berlin sich das Museum immer stärker aneignen.“


Julien Chapuis, Leiter des Bode-Museums

Museen wollen sich verändern, weil sich die Gesellschaft verändert. Dass sie es können, müssen sie mit der Gewinnung neuen Publikums unter Beweis stellen. Das Bode-Museum zeigt mit lab.Bode,welch unschätzbaren Beitrag dazu neue Vermittlungsformen leisten. Nach zwei Jahren lassen sich vielversprechende Erfolge im Bode-Museum erkennen: Vierhundert Schüler_innen an neun Berliner Schulen haben das Museum kontinuierlich aus verschiedenen Blickwinkeln kennengelernt und bewegen sich jetzt dort auf vertrautem Terrain. Von diesen Erfahrungen ausgehend verspricht das Volontärsprogramm von lab.Bode als einziges seiner Art in Deutschland eine systematische Lücke bei Kooperation und Austausch von Vermittler_innen und Kurator_innen zu schließen. Ich bin zuversichtlich, dass lab.Bode bundesweit deutliche Spuren in der deutschen Museumslandschaft hinterlassen wird, wenn in der zweiten Hälfte der Laufzeit noch einmal zwölf Museen dazukommen.Wir ermöglichen den Museen, ihre Veränderungsprozesse mit Hilfe von lab.Bode professionell zu gestalten.“


Hortensia Völckers, Vorstand und künstlerische Direktorin der Kulturstiftung des Bundes

Lab.Bode hat sich zu einem Motor der Bildungs- und Vermittlungsarbeit der Staatlichen Museen zu Berlin entwickelt. Die Initiative lässt insbesondere in der Zusammenarbeit mit den Partnerschulen experimentierende und reflektierende Arbeitsprozesse zu, die im Regelbetrieb in dieser Intensität nicht möglich wären. Lab.Bode bietet uns herausragende Möglichkeiten, Strategien, Formate und Formen der Zusammenarbeit zwischen Schulen und Museen zu erproben und auf andere Sammlungen zu übertragen. Dieses trifft auch für die neu gestalteten Vermittlungsräumen im Sammlungsrundgang zu, die beispielhaft für alle Museen sein könnten. Im Rahmen der Diskursveranstaltungen wird das Bode-Museum zum lebhaften Treffpunkt von Bildungsexpert_innen aus aller Welt. Die neuen Impulse, der fachliche Input, der kollegiale Austausch und die Möglichkeit zur Vernetzung bereichern die Arbeit aller Mitarbeiter_innen des Referats Bildung, Vermittlung, Besucherdienste in hohem Maße. Uns ist es außerdem ein wichtiges Anliegen, im Rahmen des Volontärsprogramms zur Qualifizierung zukünftiger Mitarbeiter_innen der Bildung und Vermittlung beitragen zu können.“


Heike Kropff, Leiterin der Abteilung Bildung/Kommunikation der Staatlichen Museen zu Berlin

www.lab-bode.de

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