THE DEED | DAS WERK: Alvar Beyer

Der Berliner Maler Alvar Beyer spricht im Rahmen seines Interviews über die zentrale Botschaft seines künstlerischen Werks.

THE DEED | DAS WERK : Alvar Beyer

Alvar, bitte beschreibe das Kernthema Deines Werks und die zentrale Botschaft Deiner Kunst.

Das zentrale Thema meines Werkes ist der Raum in dem wir uns befinden. In meiner Kunst ist es bedingt durch meine Erlebnisse der ursprüngliche Naturraum. Ich arbeite an der Entstehung einer Stimmung im Bild, welche  die Dualität aus materieller und geistiger Welt reflektiert.

Stelle uns die Arbeit vor, die aus Deiner Sicht exemplarisch für die Botschaft Deines Werks steht, oder diese am besten verkörpert.

Das Bild Sonnenwelt steht für meinen Blick auf die Welt. Eine Welt aus der wir bestehen, aus der wir uns – sich alles entwickelt.

Im Bild zeigt sich eine von einem intensiven warmen, orangefarbenen Licht überstrahlte Landschaft, in der sich eine Polarität in Form einer Spiegelung zeigt. Die Farbigkeit erzeugt eine artifizielle, surreale Stimmung. Gleichzeitig wird das vertraute Bild der Spiegelung assoziiert, welches eine meditative Atmosphäre erzeugt. Das Bild kann als Metapher einer fragilen Balance interpretiert werden.

ART at Berlin - Alvar Beyer - Sonnenwelt 2020 - courtesy the artist

Alvar Beyer, Sonnenwelt, 150 x 110 cm, Acryl auf Leinwand, 2020

Was ist das Ziel Deiner Kunst, Deines Werk? Was soll es beim Betrachter bewirken?

Meine Kunst kann etwas bewirken. Im besten Fall entsteht eine Resonanz zwischen Betrachter und Kunstwerk. Dies kann in Form einer hervor gerufenen Stimmung sein, oder eine Erinnerung wird evoziert, welche wiederum ein Gefühl entstehen lässt.

Dann scheint das Werk den Betrachter zu berühren und der Prozess erfährt eine gewisse „Vollendung“.

Die Auseinandersetzung mit dem ursprünglichen, natürlichen Raum spielt eine zentrale Rolle in meiner künstlerischen Arbeit. Auf ausgedehnten Reisen und Expeditionen in weitgehend vom Menschen unberührte Landschaften in Zentralasien, der Himalayaregion und Sibiriens, habe ich mich deren unmittelbaren Eindruck ausgesetzt. Dabei dem Gefühl der Ursprünglichkeit, Einsamkeit aber auch der Fantasie des Abenteuerlichen nachspürend.

Diese sehr intensiven Erlebnisse, welche durch weitere Auseinandersetzungen mit Landschaften und vom Menschen geschaffenen Strukturen in Architektur und Landschaft ergänzt werden, prägen meine Bildwelten. 

DEEDS WORLD - Alvar Beyer - Voralp II 2017 - Courtesy the artist

Alvar Beyer, Voralp II, 125 x 250 cm, Acryl auf Leinwand

Ein wiederkehrendes Element meiner Bilder ist die Polarität. Polarität im Sinne der materiellen und geistigen Welt, von oben und unten, der Assoziation von Abbild und dessen Spiegelung. Teilweise wird diese Dualität durch die gewählte Bildform des Diptychons verstärkt. ln den Bildserien „Voralp“ steigen aus der Mitte eines Tales  die Siluetten der Berge zu beiden Seiten empor, bzw. vereinigen sich in der Bildmitte zum höchsten Punkt.  Die Übersetzung des Natureindrucks in die Malerei findet mittels einer sehr freien seismographischen Linienführung statt. Die Bilder vermitteln einen Bezug zur Realität, bestehen jedoch aus völlig abstrakten Bildelementen. Die teils nur noch zu erahnenden Bildelemente vermitteln den Malereien einen metaphysische Aura.

DEEDS WORLD - Alvar Beyer - Korona 2020 - Courtesy the artist

Alvar Beyer, Korona, 110 x 65 cm, 130 x 160 cm Acryl,
Papier und Klebeband auf Leinwand und Wand, 2020

In der Malerei/Installation „Korona“ findet der Gedanke der Auflösung des Bildes eine neue Form. Die als Hilfsmittel eingesetzten Materialien Papier und Klebeband werden Teil des Bildes und scheinbar teilweise aus ihm heraus geschleudert. Der Prozeß der Entstehung verharrt und wird zum Bild. Einem kalligraphischen Zeichen gleich stehen die Klebebänder auf der Wand in Korrespondenz mit ihren gemalten Abbildern in der Malerei. Es entsteht eine hybrides Bild aus Collage, Malerei, Trompe-l’œil und Installation.

DEEDS WORLD - Alvar Beyer - zu den Sternen 2018_4 - Courtesy the artist

Alvar Beyer, Zu den Sternen, 2018

Mit meiner Skulptur zu den Sternen habe ich mein bildnerisches Repertoire weiter erweitert und bin in den öffentlichen Raum vorgedrungen. Die Skulptur ist ein Auftragswerk und  nimmt Bezug auf die Geschichte des Fliegens. In ihr finden sich Bezüge zu den ersten, vom Menschen entwickelten Flugobjekten. Wie bei diesen, spielt auch in der Skulptur das Motiv des Vogelflügels eine zentrale Rolle. Visuelle Bezüge zur Form des Fledermausflügels, aber auch zur japanischen Papierfaltkunst Origami und zu einem Papierflieger können assoziiert werden.

DEEDS WORLD - Alvar Beyer - zu den Sternen 2018_3 - Courtesy the artist

Alvar Beyer, Zu den Sternen, 2018

„Die Figur des Götterboten Merkur des Giambologna von 1586 balanciert nur mit den Zehenspitzen des linken Fusses auf dem Luftstrom aus dem Mund eines Windgottes, während sein rechtes Bein nach hinten geworfen und der rechte Arm in die Höhe gereckt ist. Durch diese exaltierte Pose sieht die Figur von jeder Seite völlig anders aus, und der Glanz der hochpolierten Oberfläche lässt das Volumen des muskulösen Körpers in permanenter Bewegung erscheinen.

DEEDS WORLD - Alvar Beyer - zu den Sternen 2018_Modell - Courtesy the artist

Alvar Beyer, Zu den Sternen, 2018, Modell

Alvar Beyers geschaffene Skulptur teilt mit dem Vorgänger aus der Renaissance mehr, als man auf den ersten Blick meint. Natürlich ist es ein viel abstrakteres Werk, bei dem man schwerlich sagen kann, ob und was es denn darstellt. Doch wie der Merkur balanciert es auf nur wenigen Stellen; und dies sind just die Punkte, an denen sich das Volumen am deutlichsten verjüngt. Durch die Faltung der dünnen Metallplatten erscheint die Skulptur von jeder Seite komplett anders, und es entsteht ein Volumen, dessen Oberfläche durch das Auf und Ab, durch Schatten und helle Zonen in ständiger Bewegung erscheint. Dieser Eindruck wird durch die Struktur der Oberfläche noch verstärkt, die mit der Bewegung des Betrachters im Licht flimmert und sich aufzulösen scheint.

DEEDS WORLD - Alvar Beyer - zu den Sternen 2018_2 - Courtesy the artist

Alvar Beyer, Zu den Sternen, 2018

Diese Eigenschaften – fragile Balance, sich stets wandelnde Erscheinung und Auflösung der Masse in Licht – sind es, die die an sich minimalistische Skulptur Alvar Beyers aus der Erdenschwere zu heben scheinen.” (Zitat: Dr. Heinz Stahlhut, Leiter Hans Erni Museum, Luzern/Schweiz. Aus der Laudatio zur Einweihung der Skulptur im November 2018, München/Oberpfaffenhofen)


Die Frage nach THE DEED | DAS WERK ist ein ergänzender und separat präsentierter Teil des THE INTERVIEW IN|DEEDS mit Alvar Beyer.

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