THE DEED | DAS WERK: René Schoemakers

Der am Niederrhein geborene und in Kiel lebende und arbeitende Maler René Schoemakers spricht im Rahmen seines Interview über die zentrale Botschaft seines künstlerischen Werks.

René, bitte beschreibe das Kernthema und die zentrale Botschaft Deines Werks.

Das Kernthema der eigenen Arbeit zu beschreiben, ist eigentlich nicht Aufgabe des Künstlers selbst. Denn das braucht er erstens bei der Arbeit nicht, und zweitens suggeriert das, dass er ausgehend von einem Thema arbeitet. Das ist aber nicht so.

München leuchtet | Deutscher Herbst (Theresienwiese)
2018/19, Acryl/Leinwand, 130 x 200 cm

Künstler machen Kunst, wenn Künstler Kunst machen. Ausgehend von einem ersten Schritt entwickelt sich alles nach den Gesetzen des Materials (im weitesten Sinne). Das bedeutet auch, dass auch keine selbstgesetzte thematische Vorgabe eine Rolle spielt. Das Thema ergibt sich im Prozess.

Atelier, Vorarbeiten für München leuchtet I, 2019
Foto: © R. Schoemakers

Das bedeutet, dass man in der Rückschau, wenn man die gesamte Produktion eines Künstlers in den Blick nimmt, man schon Schwerpunkte erkennen kann. Das sind dann aber nicht Ergebnisse einer thematischen Festlegung, sondern Ergebnis der subjektiven Produktion. Insofern ist die Idee des „Tod des Autors“, des Künstlersubjekts eine bestürzend naive Vorstellung. Dahinter steht eine naive Idee von Autorschaft, ein leicht zu erlegender Pappkamerad.

Das Werk – Hauptdarsteller seit 1987
Foto: © Tom Fechtner, 2021

Wenn ich trotzdem auf meine Arbeiten zurückschaue, dann kristallisiert sich z.B. heraus, dass es immer auch um das Verhältnis von Individualität und Allgemeinheit geht. Es ist schon ein besonderer Zug meiner Arbeit, dass das Bildpersonal sehr begrenzt ist. Man erkennt die Person im Bild wieder auf anderen Bilder und es stellt sich automatisch die Frage, ob diese Person im Bild tatsächlich zu sehen, d.h. gemeint ist. Unwahrscheinlich, dann wären es Porträts. Sind es aber nicht. Aber beliebige Träger von Rollen im Bild, reine Darsteller sind diese Figuren auch nicht, zu sehr drängt sich die Individualität wieder an die Oberfläche.

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BDM – Weltgeist (Bild u. geplante Wandgestaltung, Ausschnitt)
2021-22, Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund

Diese Spannung von Oberfläche und dem, was darrunter liegt, ist häufig in den Bildern thematisiert. Nicht nur am Beispiel der Subjektivität, sondern ganz generell auch in der Bezugnahme auf unterschiedliche Ebenen der Symbolisierung und Repräsentation. Und häufig wird diese Unvermeidbarkeit der Bezugnahme auf präexistierende Zeichensysteme im Bild dadurch mit ausgestellt, indem vieles primitiv, gebastelt und erkennbar improvisiert auftritt. So viele Oberflächen, die einzig die Frage nach einem Darunter evozieren, die der Betrachter freilich selbst beantworten muss. Gleichzeitig erinnert die unverkennbare Anwesenheit der immer gleichen Individuen in diesen komplett arbiträren Settings genau an diese Frage. Das ist, denke ich, eine Spannung, die immer wieder neu erzeugt wird und die verhindert, dass man in ein reines Glasperlenspiel abrutscht.

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Trotzikotzi
2019, Acryl/Leinwand, Wandzeichnung, Folie, ca. 20 x 20 cm

Stelle uns die Arbeit vor, die aus Deiner Sicht exemplarisch für die Botschaft Deines Werks steht, oder diese aus Deiner Sicht am besten verkörpert.

Man kann auf die Arbeiten der aktuellen Serie deinos | mashup schauen, die auch den Kern der nächsten großen Ausstellung im Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund bildet. In den Arbeiten gibt es als übergreifenden thematischen Kontext rechtsextreme Figuren, Bilder und Symbolsysteme, die aber mit den Mitteln meiner Arbeitsweise gebrochen werden.
So gibt es den modifizierten Nachbau des Oktoberfestattentats von 1980, eine meine Töchter in der nachgestellten Phantasieuniform von Anders Breivik (also die Nachahmung einer Nachahmung) oder von Karl-Heinz Hoffmann.
Ein zentrales Motiv ist auch eine Figur auf einem aus Pappe nachgebauten Thron, geziert von einem eisernen Kreuz.

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Atelier, Vorarbeiten für Der böhse Paul, 2019
Fotos: © R. Schoemakers

Die Hauptfigur, der Künstler selbst, zeigt einen Kopf des Pink Panthers, den er mutmaßlich erlegt hat – mit dem Minecraft-Schwert in der Hand. Wo der Kopf abgetrennt ist, hat er aber eine Art Wunde am eigenen Hals, erkennbar nicht echt, und vom farbig geschminkten Körper rutscht ein rosa Kostüm.

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Der Böhse Paul (Mekanïk Destruktïw Kommandöh)
2019, Acryl/Leinwand 180 x 120 cm

Die Referenz des Pink Panther bezieht sich auf das Bekennervideo des NSU, der einen Mordanschlag auch in Dortmund verübt hat. Gleichzeitig gibt es aber Bildelemente, die auf weitere Bilder der Serie und ältere Serien verweisen, die man hier nicht ausführen kann.

Anders (Mummenschanz)
2019, Acryl/Leinwand, 160 x 120 cm

Entscheidend sind zwei Aspekte, die man hier zeigen kann. Zum einen der Aufwand im Vorfeld der Bildfindung (Es ist nicht so spaßig, sich am ganzen Körper grau und rosa anzumalen…), zum anderen die weitverzweigten symbolischen Bezugnahmen. Bei dem Bild spielt u.a. auch noch Der Bezug auf das im Titel zitierte Werk der Band Magma eine Rolle, genauso wie der Hortus Deliciarum von Herrad von Landsberg. Aber wenn ich auf diesen Ebenen der Bezüge anlange, folgt meist eh niemand mehr…
Ich selbst bei der Arbeit ja auch nicht. Da zählt nur die sinnliche Überzeugungskraft des Bildes an sich. Sonst wäre ich nicht Maler. Aber auch das vermittelt sich in der flachen Reproduktion am Bildschirm oder im Buch nicht. Die Vielschichtigkeit der Malerei im materiellen Sinne teilt sich leider ebenso wenig leicht mit, wie die der Vielschichtigkeit im ideellen Sinne.

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Karl-Heinz (Mummenschanz)
2019, Acryl/Leinwand, 160 x 120 cm

Was ist das Ziel Deiner Kunst, Deines Werks – was soll es beim Betrachter bewirken?

Dass er die Bilder nicht mehr loswird. Dass er den Verzweigungen so obsessiv folgen muss wie der Künstler selbst. Lust an fraktaler Komplexität im Sinnlichen und Konzeptuellen.
Aber eigentlich male ich nur nette Bildchen, harmlose Flachware.

Einen ausführlichen, online abrufbaren Text zur Werkserie und ihren Hintergründen hat Gerald Heidegger, Chefredakteur beim ORF verfasst.


Die Frage nach THE DEED | DAS WERK ist ein ergänzender und separat präsentierter Teil des THE INTERVIEW IN|DEEDS mit René Schoemakers.

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