schön schräg. Kubismus – ein tschechisches Gestaltungsprinzip

Im Zuge der Feiern zur tschechoslowakischen Republikgründung vor 100 Jahren zeigt das Tschechische Zentrum Berlin bis zum 21. Februar 2019 die Designausstellung schön schräg. Sie widmet sich moderner Produktgestaltung in Tschechien und der Slowakei und zeigt eine Traditionslinie von der Zeit des Kubismus bis zu den Arbeiten junger Gestalter in der Gegenwart auf.

Die Berliner Ausstellungsmacher Wolfgang Binder und Bettina Güldner wurden eingeladen, ihre Sicht auf gestalterische Eigenarten zu zeigen, die sich so im übrigen Europa nicht finden lassen. Im Blick auf ca. 50 Designobjekte, die sie auf ihren Forschungsreisen nach Prag entdeckt und gesammelt haben, entfaltet sich ein formales Spektrum aus Polygonalität, Kantigkeit, Faltung oder Spitzwinkligkeit von deutlicher skulpturaler Qualität. Diese Merkmale sind in den Augen der Ausstellungsmacher so zwingend und fortlaufend, dass es naheliegt, die Ursachen und Wurzeln dafür nicht allein auf den Kubismus zu beziehen, sondern in umfassenderen künstlerisch-gestalterischen Methoden zu finden.

DEEDS_WORLD-Tschechisches-Zentrum-Berlin---Schoen-Schraeg-Plakat
schön schräg – Tschechisches Zentrum Berlin / Plakat
Abb.:Geschirrabtropfer, Jiří Hofman, Kunststoff, 1963, Foto: Wolfgang Binder

In den ausgestellten Objekten, darunter Leihgaben aus Tschechien und der Slowakei, zeigt sich ein grundlegendes Verständnis des Gestaltens aus der Geometrie heraus. Die Grundlagen dafür scheinen bereits in der naturwissenschaftlich-philosophischen Lehre Prags seit dem 16. Jahrhundert gelegt worden zu sein, bis in die Gegenwart populär fortgesetzt im allgemeinbildenden Kunstunterricht. Eleganz und dynamisches Auftreten, Funktionalität und konstruktive Raffinesse vieler Gebrauchsgegenstände wie auch grafischer Gestaltungen erscheinen vor diesem Hintergrund als unverwechselbar tschechische/slowakische Phänomene im Design. In einer internationalen Designszene, die oft eher austauschbare Ergebnisse fordert, können sich junge Designer aus beiden Ländern mit bemerkenswerter Eigenständigkeit und Besonderheit behaupten.

Begleitend zur Ausstellung ermöglichen im Januar und Februar 2019 eine Gesprächsrunde und ein Workshop mit Designstudenten in Prag den Gedankenaustausch zwischen Designern/Experten und dem interessierten Publikum aus Prag und Berlin.

Zur Ausstellung erscheint eine Publikation.

Ergänzt wird die Ausstellung mit einem Pop Up Shop von Modernista mit den besten Design-stücken der letzten 100 Jahre aus Tschechien. In Zusammenarbeit mit dem Museum für Angewandte Kunst in Prag brachte Modernista mehrere „klassische“ Editionen neu heraus: kubistische Keramik von Pavel Janák, Rudolf Stockar und Vlastislav Hofman, Möbel und Wohnaseccoires nach Entwürfen von Josef Gočár oder Jindřich Halabala, Ladilav Sutnars Holzspielzeug und viel weitere einzigartige Produkte. Modernista sammelt und restauriert auch wertvolle, originale Möbel, Lampen und Alltagsgegenstände. Außerdem bietet Modernista auch andere über die Jahre bewährte und neue Designprodukte an.

Eröffnung in Anwesenheit der Kuratoren: Donnerstag, 29.11.2018, 19:00 Uhr

WANN? 30.11.2018–21.2.2019, Di–Sa, 14:00–18:00, geschlossen 22.12.2018–2.1.2019

WO?
Tschechisches Zentrum
Wilhelmstraße 44 / Eingang Mohrenstraße
10117 Berlin-Mitte

Eintritt frei

Eine Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Museum für Angewandte Kunst in Prag und Modernista und mit Leihgaben der Firmen RückltonTescoma und Modernista sowie des Slowakischen Designmuseums. Die Veranstaltung wird gefördert durch den Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds.

This post is also available in: English

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.