REVIEW + 3D TOUR: 50/50 – The Matter of Duality

Im Januar 2020 fand im Berliner Wedding für zehn Tage (18.01.-28.01.) die große Kunstausstellung „50/50 – The Matter of Duality“ mit über 100 Berliner Künstlerinnen und Künstlern im Paul-Fleischmann-Haus statt, einem ehemaligen Studentenwohnheim und Atelierhaus. Kuratiert wurde das eigeninitiative Kunstspektakel, das sich über zwei Stockwerke des 70er Jahre Gebäudes zog, von dem Maler Grigori Dor und der Performance- und Videokünstlerin Mascha Naumova. Geplant war das Ganze eigentlich als Geburtstagshappening von Grigori Dor.

Der ursprüngliche Gedanke, anlässlich seines 50. Geburtstags ein Happening mit 50 (sic!) gut vernetzten Berliner Künstlerinnen und Künstlern zu organisieren und dabei auch je ein Werk jeder/s Teilnehmenden auszustellen, entwickelte sich rasch zu einer riesigen Gruppenausstellung und Leistungsschau von über 100 jungen und aufstrebenden Berliner Künstler*innen. In einer Konsequenz umgesetzt,  von der die Kunstszene durchaus etwas lernen kann.

In einer Kunstmetropole, in der es zwar rund 400 Galerien gibt, aber nicht jeder der Gerüchten zu Folge mehr als 10.000 Berliner Künstler*innen durch eine solche vertreten wird, sind künstlerische Eigenveranwortung, Engagement, ein gutes Netzwerk und dauerhafte Initiative auf hohem Niveau immanent wichtig, um die notwendige Sichtbarkeit für die hier produzierte Kunst zu gewährleisten. Wenn solch ein Ausstellungskonzept dann wie hier miteinander konzipiert wird und viele verschiedene Künstler*innen einbezieht, anstatt diese Vielfalt auszuschließen und gegeneinander zu arbeiten, um vermeintlich alleiniger Profiteur solch einer Aktion zu sein, dann gewinnen alle Beteiligten: Künstler*innen, deren Werke gesehen werden und Besucher*innen, die eine hochspannende Übersicht über die Berliner Kunstszene erhalten, Neues entdecken und Entwicklungen beobachten können. In einer Zeit, in der Galerist*innen sowohl durch die gesamtwirtschaftliche Lage als auch durch den nicht abreißenden Strom von nachwachsenden Jung-Künstler*innen belastet sind, zeigt ein Konzept wie das von Grigori Dor und Mascha Naumova einen sinnvollen Weg, der Kunst und ihren Künstler*innen Visibilität zu ermöglichen.

Denn Visibilität ist das Schlagwort, um das es aus unserer Sicht gehen muss. Kunst von jungen, talentierten Künstler*innen, die nicht gesehen wird, weil sie nicht die Möglichkeit dazu bekommt, ist ein tragischer, fast katastrophaler Verlust an Gestalt gewordenen aktuellen Fragestellungen, Sichtweisen, Diskursansätzen, Reflexionen, Transparenzen und vielleicht Lösungsvorschlägen für großen Fragen dieser Zeit und für uns als Gesellschaft.

ART-at-Berlin---Grigori-Dor--Mascha-Naumova---Portrait-2020

Grigori Dor + Mascha Naumova

Nicht nur die Besucher*innen und teilnehmenden Künstler*innen zollten Mascha Naumova und Grigori Dor für ihre Initiative viel Respekt. Auch wir von DEEDS zeigten uns begeistert von der Vielfalt der Ausstellung sowie von der Tatsache, als Künstler (und wohlgemerkt nicht als Galerist oder Kulturevent-Planer) in kürzester Zeit eine Show mit über 100 hiesigen Künstler*innen und ihren Werken zu initiieren, zu kuratieren, auf den Punkt zusammen zu bringen und auf diesem Niveau umzusetzen.

DEEDS. in Kooperation mit ART@Berlin hat diese Ausstellung als 3D Tour aufgezeichnet. Wir möchten Ihnen ans Herz legen, diese zu besuchen – in Ruhe bei einem leckeren Kaffee oder guten Glas Wein. Nehmen Sie sich Zeit, spazieren Sie durch die Ausstellungen und lernen Sie über 100 Berliner Künstler*innen, die ihre Wurzeln in vielen Ländern haben, und deren Werke kennen. Teilen Sie diese Erfahrung gerne mit Ihren Freund*innen. Sollte Ihnen ein Werk gefallen, dann wenden Sie sich einfach an uns in der Redaktion (post@artatberlin.com) oder direkt an die Künstler*innen. Die Namen finden Sie in der Regel am Werk – und Google weist Ihnen den weiteren Weg zum Kontakt.

Teilnehmende Künstler*innen:

1UP, Danja Akulin, Minor Alexander, Deniz Alt, Erik Andersen, Maria Balanovskaya, Bardolim/Voronzov, Christoph Bartolmäs, Fehmi Baumbach, Allan Bestle, Sabine Beyerle, Sebastian Bieniek, Aljoscha Blau, Isabelle Borges, Joanna Buchowska, Ulrike Buhl, Heloisa Corrêa, Genia Chef, Grigori Dor, Kerstin Dzewior, Otgonbayar Ershuu, Łukasz Furs, Şifa Girinci GODsDOGs Evgeny Dybsky, Julija Goyd, Alexei Gordin, Harald Gottschling, Anna Grau, Lennart Grau, Jens Hausmann, Simone Haack, Stefanie Hillich, René Holm, Katrin Kampmann, Liudmila Kartoshkina-Siewerski, Yulia Kazakova, Kanta Kimura, Jan Sebastian Koch, Ira Konyukhova, Frederic Krauke, Andrei Krioukov, Kathrin Landa, Jesper Hyuk Larsen, Anett Lau, Kennet Lekko, Miriam Lenk, Inna Levinson, Joelle Meißner, Mascha Naumova, Nguyen Xuan Huy, Mocx Dabbert, Anastasia Obaregbe, Jurgen Ostarhild, Justine Otto, Pakhom, Manfred Peckl, Wolfgang Petrick, Richard Rabensaat , Jakob Roepke, Sven Potschien, Dario Puggioni, Monika Radzewicz, Sven Reile, Max Renneisen, Cornelia Renz, Yannick Riemer, Römer + Römer, Michael Rohde, Victoria Rosenman, Daniel Sambo-Richter, Manuela Sambo, Susanne Schirdewahn, Natascha Schwarz, Jutta Scheiner, Tanja Selzer, Kerstin Serz, Semra Sevin, Fabian Seyd, Luzia Simons, Zuzanna Zita Skiba, Alexander Skorobogatov, Moritz Schleime, Dina Shneider, Jonny Star, Doménico CV Talarico, Christian Thoelke, Kata Unger, Luis Uribe, Miriam Vlaming, Armin Völckers, Maria Volokhova, Sergey Voronzov, Marco Wachsmuth, Sador Weinsčlucker, we.n.u, Peter Wilde, Christopher Winter, René Wirths, Burkhard Witzmann, Thomas Wommelsdorf und Igor Zaidel.

This post is also available in: English

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.