Performing Arts Festival 2019

Vom 28. Mai bis 2. Juni 2019 lädt das Performing Arts Festival Berlin an weit über 50 Locations in der Stadt dazu ein, die künstlerische Vielfalt der freien Szene Berlins quer durch alle Genres der darstellenden Künste zu erleben: mit Theater, Tanz und Performances, Figuren-, Objekt- und Musiktheater, Neuem Zirkus und Site-Specific-Events.

An bekannten Produktionshäusern, kleinen Bühnen und außergewöhnlichen Orten der Stadt versammeln sich Musikroboter, Madonna, Adam und Eva, sowie futuristische Cyborgs. Zeitgenössische Performances treffen auf klassische Monologe, politische Fragen unserer Zeit auf bewegte Körper, Theaterspektakel auf intime Dialoge, Burleske auf Artistik.

Das erklärte Festival-Zentrum ist das Haus der Statistik am Alexanderplatz, jener wie abrissreif wirkende Bau ohne Fenster, auf dem derzeit die Buchstaben ALLESANDERSPLATZ prangen. Dort, im Flachbau rechts des Hauses (Werkstatt Haus der Statistik), kann man sich umfassend über die verschiedenen Veranstaltungen informieren und auch Tickets kaufen.

Hier Auszüge aus der Programmübersicht:

Florentina Holzinger / CAMPO: „Apollon“
01. & 02.06.2019, jeweils 19:30 Uhr, Sophiensæle

Mit fünf Musen und Gott Apollon untersucht Florentina Holzinger Zuschreibungen des Weiblichen. Was will die perfekte Frau* und was will das Publikum von ihr? Apollon kombiniert fin de siècle Freakshow mit Live Art der 1960er zu einem Spektakel physischer Virtuosität. Ausgangspunkt des Stücks ist Balanchines Ballett-Quartett Apollon Musagète aus dem Jahr 1928, das zur Musik Igor Strawinskys damals Traditionen neu erfinden wollte. Mit einer ästhetischen Gratwanderung zwischen okkultem Fitnessstudio, Cyborg-Stierkampf und neoklassischem Ballett bietet Holzinger einen neuen Blickwinkel auf die Choreografie und überbrückt die Kluft zwischen hoher Kunst und Entertainment. Ein Nebeneinander von Fiktion und Realität, von Unschuld und Verderbtheit mit komplett weiblichem Cast. [Diese Performance enthält Szenen, die manche Zuschauer*innen als verstörend empfinden könnten.]

Valentin Tszin: „Instincts“
30. Mai 2019, 21 Uhr, ACUD Theater

Primitiv, derb und unbehandelt – in „Instincts“ lässt der Choreograf Valentin Tszin den nur zu oft unterdrückten Wünschen und Begehren freien Lauf. Verschiedene Seinszustände durchlaufend, treibt er dabei seinen Körper und Geist an den Rande der Erschöpfung – mit dem Ziel, sich von den eigenen Bedürfnissen zu befreien. In wiederkehrenden, dem Leben abgeschauten Motiven befragt er die Möglichkeiten, den eigenen Instinkten Herr zu werden. Oder liegt in ihnen das individuelle Glück?

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INSTINCTS Valentin Tszin, Foto Ulrich Heemann

Jared Gradinger & Angela Schubot: „YEW: outside“
29. & 30.05.2019, jeweils 20 Uhr, HAU Hebbel am Ufer im Botanischer Volkspark Pankow-Blankenfelde

Aus dem Wunsch heraus, nicht-menschliche Wesen anzuerkennen und mit ihnen zu interagieren, gehen Jared Gradinger und Angela Schubot eine tiefe Verbindung mit der Natur und der ihr immanenten Intelligenz ein. “YEW” (deutsch: Eibe) ist keine konventionelle Choreografie, vielmehr entfaltet sich ein experimenteller Abend voller intensiver Begegnungen mit einer pflanzlichen Natur, von Gradinger und Schubot als „Garten ohne Erde” bezeichnet. Das Publikum wird zu Zeug*innen artübergreifender Begegnungen und darüber hinaus selbst Teil des Gartens.

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YEW outside, Foto Rachel de Joode

Bishop Black: „becoming my body“
31. Mai 2019, 20 Uhr, Ballhaus Naunynstraße

Bishop Black verwandelt die Burleske zum Medium der Selbstbestimmung queerer Schwarzer. Der eigene Körper, verdinglicht in Voyeurismus und Rassismus, Objekt vielfacher Vereinnahmung wird hier zum Material des eigenen künstlerischen Ausdrucks, zum Medium der Selbstbehauptung. Der britische Performancekünstler drückt sich vornehmlich dadurch aus, dass er seinen Körper als Sprache und politisiertes Werkzeug einsetzt, um Sexualität und Gender zu gestalten.

p.u.r.e.: performative urban research ensemble – p.u.r.e. walk #1: Drei Brücken und ein Tunnel
Performativer Spaziergang | 31.05.2019, 18 Uhr, im öffentlichen Raum, Treffpunkt: U/S Gesundbrunnen, Bellermannstraße

Dieser Spaziergang lädt ein zum Abenteuer, die Stadt (wieder)zuentdecken, sie sich anzueignen, sie zu unterbrechen und zu gestalten. p.u.r.e. ist ein Kollektiv von Walking Artists, das die Beziehung zwischen Mensch und Stadt erforscht, die als fortdauernder, produktiver Prozess verstanden wird. Sie entschleunigen, treten aus dem Alltag heraus und improvisieren.

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Drei Brücken und ein Tunnel, Foto Susanne Soldan

gamut Inc.: „INTERZONE“
01. & 02.06.2019, Theater im Delphi

Selbstspielende Musikroboter mit Licht und Projektionsstrahlen, die durch Hazer-Nebel skulptural sichtbar gemacht werden. Dieses „volumetric light“ erzeugt durch Lichtfarbe und Form digitale Landschaften. Vom Mythos des Golem über die fantastischen Apparate von Athanasius Kircher oder Fritz Langs Metropolis werden in „Interzone“ unterschiedliche Utopien der Maschine verhandelt. Ein retro-futuristisches Musiktheater.

Sesperisi AKA Özgür Erkök Moroder & Opening Concert: “Jenny’s Playlist” – „Once Upon A Time in an Unknown Future“
30.05.2019, 22 Uhr, Arka Oda Berlin

Eine Synth-Punk-Oper mit Musik, Gesang, Tanz und Performance. Durch den Abend führt ein apokalyptischer Erzähler mit Neuigkeiten aus der Zukunft. In Songs und Tanzeinlagen gibt er seine Eindrücke vom Ende der Welt wieder. Sein Auftritt erinnert dabei ganz bewusst an „The Wildman“, eine mythologische Figur des mittelalterlichen Europas, die in Kunst und Literatur für Wildheit und Anarchie steht.

Cameryn Moore/Littler Black Book Production: „MUSE. An experimental session in life drawing and discussion“
29.05.2019, 18 Uhr, Wein Salon (Schreiner Straße 59, 10247 Berlin)

„MUSE“ beginnt mit einer einstündigen Life-Drawing-Sitzung mit der Performerin Cameryn Moore. Dabei berichtet sie, wie es ist, in einem Körper zu stecken, der ununterbrochen kritischer Betrachtung ausgesetzt ist, sowohl im Atelier als auch draußen in der Welt. Das Publikum ist dazu eingeladen, Fragen zu stellen oder selbst mitzumachen.

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MUSE. An experimental session in life drawing and discussion, Foto Hoss

„Introducing…“
Die Nachwuchsplattform beim Performing Arts Festival Berlin

Seit Gründung des Performing Arts Festival Berlin präsentiert der Zusammenschluss aus Ballhaus Ost, HAU Hebbel am Ufer, Sophiensæle und Theaterdiscounter spannende neue Künstler*innen in und für Berlin. Gemeinsam wählten die künstlerischen Leitungsteams der Häuser aus 165 Bewerbungen sechs Newcomer* innen aus und verorten sie nun als Reihe „Introducing…“ in ihrem Festivalprogramm. In diesem Jahr dürfen sich die Kontaktfreudigen unter uns auf eine sehr inspirierende und internationale Runde freuen. Alle sechs Positionen verhandeln für sich die Frage nach Geschlechterrollen, intersektionaler Selbstermächtigung und politischen Handlungsräumen – darin weben sie ein gemeinsames Netz aus queer-feministischen Bildern und solidarischen Handlungsmustern. Sechs spannende Positionen der Performing Arts, die sich nun mit Berlin verbinden wollen.

Dürfen wir vorstellen – INTRODUCING 2019: Julia Plawgo introduct ein offenes Fenster im Tanz mit der Größe 2GB. Jan Rozman introduct die Stimmen der Dinge. Frauen und Fiktion introducen die Bühne als feministisches Empowermentcamp. CHICKS* introduct die neue, queere Männlichkeit als verflüssigtes Begehren. Paweł Świerczek introduct einen Regenbogen im dunklen Bergbau. Rodrigo Batista introduct die Wut Brasiliens über Zuschreibungen und Zustände.

www.performingarts-festival.de

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