WHERE, WHEN, HOW OFTEN AND WTIH WHOM

Cecily Brown Interview: Völlig unbemerkt

“Das Telefon ist offensichtlich der Tod von Gesellschaft und Kultur.” Mit ihrem kraftvollen Gemälde “Where, When, How often and with Whom” als Ausgangspunkt diskutiert die einflussreiche, in Großbritannien geborene Malerin Cecily Brown hier, wie das Gefühl der Fragmentierung in ihrem Werk ihre Wahrnehmung unserer heutigen Welt widerspiegelt.

“Ich betrachte die Malerei nie als eine kathartische Sache, aber ich denke definitiv, dass es eine Möglichkeit ist, Dinge zu verarbeiten.” Brown fühlt, dass einer der Gründe, warum sie Malerin wurde, darin besteht, dass sie auf die Dinge reagieren will, die sie sieht, und sie führt das Gefühl der Fragmentierung, das ihre Arbeit durchdringt, darauf zurück, 25 Jahre in New York gelebt zu haben: “Die Erfahrung, in einer sehr geschäftigen Stadt zu leben, fließt zwangsläufig in meine Sichtweise und mein Verständnis ein.” Ihre Bilder entstehen, indem sie zum Teil auf die Dinge zurückgreifen, die um sie herum im Atelier liegen, und sie spürt, dass diese vielen verschiedenen Bilder direkt und indirekt in ihre Arbeit einfließen. Das zentrale Bild in ihrem Gemälde “Where, When, How often and with Whom” basiert auf einem beunruhigenden Nachrichtenfoto einer muslimischen Frau am Strand von Nizza im Jahr 2016, die von vier Polizistinnen gezwungen wurde, ihre Burkini (einen Badeanzug, der den islamischen Regeln der weiblichen Bescheidenheit entspricht) zu entfernen: “Es ist nur ein sehr gewalttätiges Bild und wirkt sehr eloquent über unsere Zeit.” Außerdem fühlt sie, dass die vielen Zuschauer Teil dessen sind, was die Fotos so beunruhigend macht: “Diese weißen Touristen sitzen alle nur herum und beobachten…. sie erscheinen als mitschuldig Beteiligte.” Voyeurismus, so Brown weiter, sei immer ein großer Teil ihrer Arbeit gewesen, wo es fast immer eine beobachtende Figur gebe. In Fortsetzung fügt Brown hinzu, dass die Figuren in ihrer Malerei so gesehen werden können, dass sie sich gegenseitig nicht bewusst sind, obwohl sie sich im gleichen physischen Raum befinden. Das ist ihrer Meinung nach auch in unserer Welt der Fall, in der viele Menschen so sehr in ihr Telefon verstrickt sind, dass sie sich kaum bemerken: “Eines der unglaublich traurigen Dinge in unserer Zeit ist, wie isoliert die Menschen sind.”

Cecily Brown (*1969) ist eine britische Malerin. Brown schafft lebendige, atmosphärische Darstellungen von fragmentierten Körpern, oft in erotischen Positionen inmitten von Farb- und Bewegungswellen. Dies hat viele Vergleiche mit Malern wie Francis Bacon und Francisco Goya angestellt, und sie gilt darüber hinaus als eine der zentralen Figuren für das Wiederaufleben der Malerei seit der Jahrhundertwende. Brown hat zahlreiche Ausstellungen durchgeführt, darunter in der Saatchi Gallery in London und im Whitney Museum of American Art in New York. Einzelausstellungen fanden auch an prominenten Orten wie der Gagosian Gallery in Beverly Hills, New York und London, Contemporary Fine Arts in Berlin und der Kunsthalle in Mannheim statt. Sie lebt und arbeitet in New York City.

Cecily Brown wurde im November 2018 im Louisiana Museum of Modern Art in Humlebæk, Dänemark, im Zusammenhang mit der Ausstellung “Where, When, How often and with Whom” von Marc-Christoph Wagner interviewt. Im Video bespricht Brown ihr Triptychonbild “Where, When, How often and with Whom” (2017).

Camera: Klaus Elmer 
Edited by: Klaus Elmer 
Produced by: Marc-Christoph Wagner 
Copyright: Louisiana Channel, Louisiana Museum of Modern Art, 201

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