Berlin, 1945–2000: A Photographic Subject | Reinbeckhallen | 18.09.20-24.01.21

Die Stifung Reinbeckhallen Sammlung für Gegenwartskunst präsentiert vom 18. September 2020 bis 24. Januar 2021 die von Candice M. Hamelin kuratierte Ausstellung »Berlin, 1945–2000: A Photographic Subject«. Sie ist auch Teil des EMOP Berlin – European Month of Photography im Oktober 2020.

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Maria Sewcz – ohne Titel, aus der Serie inter esse, Berlin, 1985–1987,
Silbergelatineabzug (Vintage), 40 x 50 cm, © Maria Sewcz

Die Ausstellung untersucht, auf welche Weise deutsche und internationale Fotograf*innen Berlin zwischen den unmittelbaren Nachkriegsjahren und dem Ende des 20. Jahrhunderts fotografierten. Sie umfasst Fotografien und Fotoserien von 23 Fotograf*innen, die Berlin zu ihrem Sujet und mitunter auch zur Inspiration für ihr Werk gemacht haben. Ihre Aufnahmen, die den Genres der Street-, Architektur-, Portrait- sowie der subjektiven, konzeptuellen und experimentellen Fotografie angehören und für Zeitschrifen, Fotobücher, Abschlussarbeiten, künstlerische Zwecke oder den Privatgebrauch entstanden, lenken die Aufmerksamkeit auf die vielfältigen fotografischen Praktiken, die in Berlin florierten, sowie auf die gewaltigen sozialen, kulturellen und politischen Veränderungen, welche die Stadt in 55 Jahren durchgemacht hat.

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Herbert Hensky – Zwei junge Angler an der Spree in Berlin-Mitte (1947),
Silbergelatineabzug (Vintage), 29,7 x 19,8 cm, © bpk / Herbert Hensky

Die Ausstellung, die über 200 Werke umfasst, von denen einige noch nie zuvor öffentlich gezeigt
wurden, hebt verschiedene Stimmen und künstlerische Interessen oder Intentionen hervor und
präsentiert sehr unterschiedliche Weisen, wie man Berlin zwischen 1945 und 2000 sehen und
fotografieren oder in der Stadt leben konnte. Dank ihres gemeinsamen Themas—eine Stadt, die in den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs zerstört und anschließend geteilt wurde—schildern diese fotografischen Arbeiten die Schäden, die Berlin während des Krieges erlitt, die kollektiven
Bemühungen der Trümmerfrauen in der unmittelbaren Nachkriegszeit sowie den Bau und späteren
Fall der Berliner Mauer. Neben diesen und anderen historischen Momenten dokumentieren und veranschaulichen sie das Alltagsleben in der zweiten Hälfe der 1940er Jahre und in den 1950ern; den Bauboom im östlichen und westlichen Teil der Stadt in den 1960er und 1970er Jahren; die Subkulturen der späten 1970er und 1980er, die auf beiden Seiten der politischen Grenze in Erscheinung traten und fotografiert wurden; die Lebensweisen, die inzwischen entweder verschwunden sind oder sich erst nach dem Mauerfall entwickelten und letztlich die großen
städtebaulichen Projekte, durch die nach der deutschen Wiedervereinigung allmählich einige der
Ruinen und Brachen der Stadt ersetzt und aufgefüllt wurden.

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Miron Zownir – ohne Titel (1980), aus der Serie Berlin Noir, 1977–2016,
Silbergelatineabzug, 30 x 40 cm, © Miron Zownir

Schließlich stellen die Fotografien kritische Fragen hinsichtlich der Wahrnehmung und des fotografischen Prozesses, indem sie diverse Sichtweisen einer Stadt bieten, die im untersuchten Zeitraum nicht nur zweimal wiederaufgebaut wurde, sondern trotz, oder vielleicht auch wegen, der von ihr durchgemachten Veränderungen nach wie vor eines der kulturellen Zentren Europas ist.

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Gundula Schulze-Eldowy – ohne Titel (1980), aus der Serie Berlin in einer Hundenacht,
1977–1990, Silbergelatineabzug, 30 x 40 cm, © Gundula Schulze-Eldowy

»Berlin, 1945–2000: A Photographic Subject« zeigt Werke von Wilfried Bauer, Sibylle Bergemann,
Kurt Buchwald, Arno Fischer, Nan Goldin, Herbert Hensky, Max Jacoby, Karl-Ludwig Lange, Will
McBride, Rudi Meisel, Roger Melis, Evelyn Richter, Andreas Rost, Michael Schmidt, Maria Sewcz,
Michael Wesely, Anno Wilms, Lothar Winkler, Werner Zellien, Harf Zimmermann und Miron Zownir.
Außerdem umfasst sie einen 26-minütigen Film von Gundula Schulze-Eldowy und ein Leporello mit
108 Fotografien von Ulrich Wüst.

DEEDS WORLD - M Zownir_004berlin_1979

Miron Zownir – ohne Titel (1979), aus der Serie Berlin Noir, 1977–2016,
Silbergelatineabzug, 30 x 40 cm, © Miron Zownir

Candice M. Hamelin erhielt ihren MA in Bildender Kunst von der University of Toronto und ihren PhD in Kunstgeschichte von der University of Michigan. Nach der Verteidigung ihrer Dissertation, Behind Immaterial and Material Divides: East German Photography, 1949-1989, trat sie ihr Postdoc-Stipendium an der Freien Universität Berlin im Rahmen des Berlin Program for Advanced German and European Studies sowie ihr Stipendium des Getty Research Institute an und lebte zunächst in Berlin und später in Los Angeles. Candice M. Hamelin hat umfassend über ostdeutsche Kunstfotografie publiziert und erhielt zahlreiche Stipendien und Förderungen, unter anderem vom Institute for the Humanities an der University of Michigan und vom Social Sciences and Humanities Research Council of Canada. Sie begann ihre kuratorische Praxis als Mentee von Barbara Fischer an der University of Toronto und kuratierte Ausstellungen in Toronto, New York und Los Angeles. »Berlin, 1945–2000: A Photographic Subject« ist ihre erste Ausstellung in den Reinbeckhallen.

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Max Jacoby – ohne Titel (1967), aus der Serie Bleibtreustraße, 1967,
Silbergelatineabzug (Vintage), 40 x 30 cm, © GDKE – Landesmuseum Koblenz – Max Jacoby

Begleitprogramm
Begleitend zur Ausstellung wird die Kuratorin im Oktober, anlässlich des European Month of
Photography, wöchentlich Führungen anbieten – abwechselnd auf Englisch und Deutsch und immer
freitags um 19 Uhr. Weitere Informationen und Tickets (12 EUR inkl. Eintritt) finden Sie hier.
Am 22. Oktober um 19 Uhr laden wir zur Podiumsdiskussion »Berlin, 1945–2000: Gender as a Subject« ein. Künstlerinnen, Kuratorinnen und andere Fachleute aus dem Bereich der bildenden Kunst werden das Thema Geschlechterungleichheit in der Fotografie, von den unmittelbaren Nachkriegsjahren bis heute, diskutieren. Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos. Im November und Dezember finden außerdem Künstler*innengespräche statt. Termine und weitere
Informationen werden zeitnah veröffentlicht.

WO? Reinbeckhallen, Reinbeckstraße 17, 12459 Berlin-Oberschöneweide

WANN? Do–Fr 16–20 Uhr, Sa, So & feiertags 11–20 Uhr

KOSTET? 9 EUR | 4 EUR ermäßigt, Eintritt donnerstags ab 18 Uhr (außer an Feiertagen) kostenfrei


Hinweis zur aktuellen Covid-19-Situation
Die Veranstalter beschränken den Einlass auf max. 80 Personen und bitten alle Besucher*innen der Reinbeckhallen
um folgende Schutzmaßnahmen im Sinne der Infektionsschutzverordnung des Landes Berlin:
• eine Mund-Nasen-Schutzmaske zu tragen
• den Mindestabstand von 1,5 m zu anderen Personen einzuhalten

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