Nick Goss: Dolphin Express

Nick Goss geht durch seine Ausstellung Dolphin Express bei CFA (Contemporary Fine Arts)  und kommentiert seine Einflüsse und Prozesse.


Nick Goss: Dolphin Express CFA Berlin

Die Psychologie des Ortes spiegelt sich in Dolphin Express wider, einer neuen Serie von großformatigen Gemälden in Pigment, Öl und Siebdruck auf Leinwand, begleitet von einer Gruppe von Aquarellarbeiten auf Papier. Die Ausstellung hat ihren Titel von einem lokalen Taxiunternehmen und widmet sich den Menschen, die unterwegs sind. Nach seiner letzten Gemäldeserie, die sich einen Ballardianer vorstellte, der London überflutet hat, greift Goss weiterhin auf Bilder der Überschwemmungen zurück, die seine Familie 1953 zur Flucht aus ihren Häusern in Holland zwangen. Hier ist die Flut eine Erinnerung, eine Möglichkeit, Momente des Übergangs und der Zwangsbewegung zu betrachten.

Goss nimmt seine tägliche Pendelfahrt von Südlondon nach Elephant und Castle als Ausgangspunkt. Siebdrucke von Stoffen aus der Nachbarschaft nähen Szenen zusammen, nur um sie sich auflösen zu lassen. Imaginierte und vererbte Bilder verschmelzen, wenn Pendler über geometrischen Verwirbelungen schweben, ätherische Innenräume stehen neben Siebdruckfotos. Als aufmerksamer Leser von Sebald und Woolf wird Goss von der Art und Weise angezogen, wie ein Spaziergang auf der Straße breitere Fragen der Geschichte und der menschlichen Erfahrung aufwirft. Bilder und Ideen von John Berger und Jean Mohrs A Seventh Man und Derek Jarmans Modern Nature drifteten ebenfalls in Goss‘ Malprozess.

Olivia Langs Kommentar zur modernen Natur ist besonders resonant: „Für Jarman gab es Zeiten, in denen die Vergangenheit sehr nah dran zu sein schien, fast berührbar.“ Gegenüberstellung einer dokumentarischen Fotografie aus der Zeelandflut mit einem Aquarium aus dem Wartezimmer eines Arztes im Aquarium oder einem Film aus Theo Angelopoulos‘ Trilogie: The Weeping Meadow mit einer Szene aus der Londoner U-Bahn in Dolphin Express, Goss komprimiert entfernte Bilder zu einer fragmentierten Traumlandschaft. Goss lässt Erinnerungen in banalen Umgebungen Raum einnehmen, macht die Vergangenheit haptisch erlebbar, stellt sich ihre geschärfte Präsenz in Momenten des Wartens und Übergangs vor. In Morley’s Mirror, einer vage trostlosen Szene in einem Fast-Food-Laden, bricht ein Diamantspiegel Blättermuster und wassergefüllte Häuser. Diese reflektierten Formen, die aus den letzten fünf Jahren seiner Studioarbeit stammen, tauchen die Szene in ein warmes, blaues Licht. Goss kommt auf die Art und Weise, wie der Ort die Erinnerung wachhält; das ist poetisch, persönlich und politisch.

Wie die immer wiederkehrenden reflektierenden Oberflächen von glitzerndem Geschirr oder glasigen Wasserbecken sind auch Leerräume auf leicht grundiertem Leinen im gesamten Werk von Goss vorhanden. Diese Lücken zwingen den Betrachter, sich in das Werk hineinzuversetzen, da Lücken durch Momente der Anerkennung, der Erinnerung gefärbt werden. Vielleicht erkennt, erinnert sich dann auch der Betrachter, wie die Vergangenheit nicht nur an Goss‘ Traumlandschaften haftet, sondern auch an den Körper und sein beobachtendes Auge.

Nick Goss (geb. 1981 Bristol) lebt und arbeitet in London. Er absolvierte 2009 einen Master of Fine Art an der Royal Academy, London und 2006 einen BA an der Slade School of Fine Art. Goss‘ erste institutionelle Einzelausstellung wird im März 2019 in der Pallant House Gallery, Chichester, UK, eröffnet. Zu den jüngsten Einzelausstellungen gehören De Ramp, Josh Lilley, London 2017 und Bluing, Simon Preston Gallery, New York, 2016. Ausgewählte Gruppenausstellungen sind unter anderem Lin & Lin Gallery, Taipeh; Palazzo Capris, Turin; Annet Gelink Gallery, Amsterdam; The Drawing Room, London; und Sammlung Lenikus, Innsbruck.

Contemporary Fine Arts Galerie
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